Frankfurt am Main, 15. Juni 2026
Vorstandsarbeit in Krisenzeiten: Mehr Wechsel, mehr Diversität und mehr externe Besetzungen in den DAX-40-Vorstandsgremien
- Odgers veröffentlicht 13. DAX-Vorstandsreport mit Analyse der 252 DAX-40-Vorstandsprofile
- Personelle Dynamik nimmt zu: 39 Vorstandsmitglieder ausgeschieden, 36 neu berufen, wobei Amtszeiten von CEOs und CFOs kürzer werden
- Vorstände werden diverser: Frauenanteil erreicht mit 27 Prozent neuen Höchststand, Internationalität steigt auf 37 Prozent
- Externe Besetzungen gewinnen an Bedeutung: Nur noch 43 Prozent der DAX-Vorstände kommen aus dem eigenen Unternehmen
Braucht es in Zeiten sich überlagernder Krisen und Unsicherheiten mehr oder weniger Stabilität und Konstanz in den Vorstandsgremien? Welche Führungsprofile gewinnen unter Unsicherheit an Bedeutung? Und ändern sich Rollen und Entscheidungsprozesse? Diesen und anderen Fragen geht die 13. Ausgabe des DAX-Vorstandsreports von Odgers nach. Die integrierte Unternehmensberatung für Executive Search und Leadership Advisory hat dafür die 252 Vorstandsprofile der 40 größten börsennotierten Unternehmen der deutschen Wirtschaft untersucht.
Der Odgers DAX-Vorstandsreport 2026 zeigt, dass die Fluktuation in den DAX-Vorstandsgremien deutlich ansteigt. Im untersuchten Zeitraum (Stichtag 31. März 2025 und 2026) schieden 39 Vorstandsmitglieder aus den Gremien aus, zehn mehr als im Vorjahr. Fast die Hälfte der Abgänge (18) erfolgte außerplanmäßig. Gleichzeitig verkürzen sich die Amtszeiten in zentralen Führungsfunktionen weiter. CEOs bleiben durchschnittlich noch 5,3 Jahre im Amt, nach 5,6 Jahren im Vorjahr. Bei CFOs fällt die Entwicklung noch deutlicher aus: Ihre durchschnittliche Amtszeit liegt aktuell bei knapp vier Jahren (3,9 Jahre), 2025 lag sie noch bei 4,6 Jahren. Auch bei der Nachbesetzung nimmt die Dynamik zu. Externe Kandidaten gewinnen dabei weiter an Bedeutung – nur noch 43 Prozent der heutigen Vorstandsmitglieder haben eine unternehmensinterne Karriere absolviert. 2019 lag dieser Anteil noch bei 58 Prozent.
Der Report zeigt zudem, dass sich Vorstände wieder stärker auf ihre operative Verantwortung im eigenen Unternehmen konzentrieren: Die Zahl der Aufsichtsratsmandate pro Vorstand sank im Untersuchungszeitraum auf einen historischen Tiefstand. Hatte ein DAX-Vorstandsmitglied 2015 im Schnitt noch 2,8 Aufsichtsratsmandate, ist es heute nur noch ein Mandat.
„DAX-Unternehmen reagieren auf den dauerhaften Krisenmodus mit mehr personeller Bewegung, kürzeren Amtszeiten und mehr externen Perspektiven“, erklärt Emanuel Pfister, Managing Partner bei Odgers. „Gleichzeitig bleiben Erfahrung, Branchenkenntnis und gegenseitiges Vertrauen zentrale Stabilitätsanker. Für die Vorstandsarbeit in den kommenden Jahren wird weniger entscheidend sein, ob ein Vorstand besonders erfahren oder konstant im Amt ist, sondern ob das Führungsteam auch unter Unsicherheit gemeinsam handlungsfähig bleibt.“
Trotz der steigenden Dynamik bleiben klassische Auswahlkriterien wie Seniorität und fachliche Expertise für die Besetzung von Vorstandsposten entscheidend. Das Durchschnittsalter der DAX-Vorstände liegt unverändert bei 54,6 Jahren. Auch Branchenerfahrung bleibt ein zentraler Faktor: 75 Prozent aller DAX-Vorstände kommen aus der Branche, in der sie heute tätig sind. Die Bedeutung eines Doktortitels nimmt dagegen weiter ab. Nur noch 28 Prozent der DAX-Vorstandsmitglieder haben promoviert. Dafür ist der Anteil der DAX-Vorstände mit einem MBA weiter gestiegen und liegt nun bei 24 Prozent.
Gleichzeitig wird Diversität in den DAX-Gremien wachsende Bedeutung beigemessen. Der Frauenanteil steigt auf einen neuen Höchststand von 27 Prozent. Von den 36 neu berufenen Vorstandsmitgliedern sind sieben Frauen. Dennoch bleibt die Spitze der DAX-Unternehmen weiterhin stark männlich geprägt. Unverändert waren zum Stichtag lediglich vier Frauen CEO eines DAX-Konzerns. Eine paritätische Besetzung der Vorstandsgremien erreichen bislang nur vier Unternehmen. Parallel dazu nimmt die Internationalität der DAX-Vorstände wieder zu. Der Anteil nicht-deutscher Vorstandsmitglieder steigt auf 37 Prozent. Vorstände mit ostdeutscher Herkunft gibt es dagegen weiterhin kaum.
Ergänzt wird der Report durch ein Interview mit Wilfried von Rath, Personalvorstand und Arbeitsdirektor der thyssenkrupp AG. Seine Einschätzung: Vorstandsarbeit entwickelt sich zunehmend weg von hierarchischer Entscheidungsautorität hin zu gemeinsamer Orientierungs- und Integrationsleistung.
Den neuen Odgers DAX-Vorstandsreport 2026 finden Sie hier zum Download: DAX-Vorstandsreport 2026
Über Odgers
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